Italien bietet noch immer vergleichsweise hohe Freibeträge im Bereich der Erbschafts- und Schenkungssteuer. Davon können Eigentümer einer Liegenschaft im Hinblick auf den Erbfall profitieren. Eine Möglichkeit ist die rechtzeitige Übertragung von Eigentum, z.B. auf die Kinder, unter gleichzeitiger Einräumung eines Nutznießungsrechts zu eigenen Gunsten. Das kann auch dazu beitragen, spätere Erbschaftsstreitigkeiten zu vermeiden.


Die Bestimmungen des Erbschafts- und Schenkungssteuerrechtes in Italien sind seit dem Jahr 2007 unverändert. Angesichts der für EU-Verhältnisse hohen Freibeträge von bis zu € 1.000.000,- und leerer Staatskassen in Italien werden entsprechende Änderungen im Hinblick auf eine Konsolidierung des Staatshaushalts immer wieder mal diskutiert. Vor diesem Hintergrund sollten Eigentümer einer Liegenschaft in Italien prüfen, ob und wie sie von den derzeitigen Freibeträgen profitieren können.

Gestaltungsmöglichkeiten

Eine Gestaltungsmöglichkeit besteht darin, dass für die Liegenschaft eine Schenkung („donazione“) an die Kinder mit dem Vorbehalt einer Nutznießung („diritto di usufrutto“)  zu Gunsten der Eltern vereinbart wird. Die Kinder als neue Eigentümer erhalten das sog. „nackte Eigentum“ („nuda proprieta“) an der Liegenschaft. Die Eltern sind aufgrund der Nutznießung dazu berechtigt, die Liegenschaft selbst zu nutzen, sie Dritten zu überlassen oder sie zur Erzielung einer Rendite auch zu vermieten. Wird nicht gewünscht, dass die Kinder das Eigentum veräußern können, kann ein Veräußerungsverbot zwischen Eltern und Kindern vereinbart werden. Dies ist nach italienischem Recht möglich.

Durch die Gestaltung können mehrere Ziele gleichzeitig verfolgt werden. Zum einen können bereits zu Lebzeiten Vermögenswerte auf die künftigen Erben übertragen werden. Die Eigentumsverhältnisse sind damit geklärt. Späteren Erbschaftsstreitigkeiten kann somit vorgebeugt werden. Zum anderen können für die schenkweise Übertragung von Vermögen die bestehenden, noch hohen Steuerfreibeträge – die sich derzeit in Italien zwischen Kindern und Eltern auf € 1.000.000,- belaufen – genutzt werden. Liegt der Steuerwert der Liegenschaft unter dem Freibetrag, zahlen die Kinder für die von den Eltern geschenkte Liegenschaft keinen Cent an Schenkungs- oder Erbschaftssteuern. Es fällt lediglich die Steuer für die Umschreibung an.

Eine solche Regelung könnte übrigens auch schon gleich bei einem beabsichtigten Liegenschaftskauf getroffen werden. Der Kauf der Liegenschaft erfolgt z.B. direkt auf den Namen der Kinder und gleichzeitig wird den Eltern die Nutznießung eingeräumt.

Vertrag und Eintragung als Absicherung

Schenkungsverträge über Liegenschaften müssen notariell beurkundet werden und der Notar ist verantwortlich dafür, dass die Umschreibung im Liegenschaftsregister erfolgt, denn durch die Eintragung werden die Rechte gegenüber dritten Personen abgesichert. Nach dem Tode des Nutznießers fällt dann automatisch der Nießbrauch mit dem „nackten Eigentum“ zusammen.

Steuern und Gebühren

Die derzeitige Gesetzeslage räumt Verwandten in direkter Linie (Eltern und Kinder) bei Schenkungen einen Steuerfreibetrag in Höhe von € 1.000.000,- ein. Darüberhinausgehende Beträge sind mit 4 % Erbschaftssteuer zu versteuern. Besteuerungsgrundlage ist der Katasterwert und nicht der Verkehrswert. Bei Liegenschaften fällt bei Umschreibung der Liegenschaft noch die Hypothekarsteuer in Höhe von 2 % und die Katastersteuer in Höhe von 1 % – ebenfalls bezogen auf den Katasterwert an, der aber ohnehin niedriger ist als der tatsächliche Marktwert. Liegen die Voraussetzungen für die Umschreibung als Erstwohnsitz vor, kommen die beiden vorgenannten Steuern sogar lediglich mit nur jeweils € 200,- zur Anwendung. Somit können auch die aktuellen Kosten und Gebühren ein weiteres Argument dafür sein, eine Regelung zu Lebzeiten vorzunehmen, denn diese sind im Regelfall niedriger als die im Erbfall anfallenden Kosten und Gebühren, die ohnehin für die Zukunft nicht vorhersehbar sind.

Fazit: es kann sich empfehlen, von den derzeitigen Freibeträgen des italienischen Erbschafts- und Schenkungssteuerrechts zu profitieren und Liegenschaften schon zu Lebzeiten auf die Erben zu übertragen.

Doris Reichel

Rechtsanwältin und Avvocato